Leukoplakie – Areale mit weißer Oberfläche auf der Schleimhaut

Leukoplakie ist die medizinische Bezeichnung für ein nicht abzuwischendes, weißes Areal an den Schleimhäuten im Mund oder im Genitalbereich.scharlach-bei-kindern

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definierte den Begriff als eine vorwiegend weiße Läsion der Schleimhaut, welche keiner anderen Krankheit zuzuordnen ist. Die Häufigkeit variiert in Abhängigkeit von der geografischen Lage. In Mitteleuropa sind laut Schätzungen 2,3 Prozent der Männer und 0,7 Prozent der Frauen an der Krankheit Leukoplakie erkrankt.

Gefährdet sind vor allem Personen ab einem Alter von 40 Jahren. Dauerhafte mechanische Reizungen – beispielsweise durch mangelhaft positionierte Zahnprothesen – sowie starker Nikotinkonsum sind die häufigsten Ursachen von Leukoplakie.

Bevorzugt von Leukoplakien betroffene Stellen und Auslöser

Leukoplakie kommt insbesondere an der Mund- und Wangenschleimhaut, in der Nähe von Lippen und Zunge sowie im Genitalbereich vor. Die betroffenen Stellen entstehen durch eine Verdickung der äußersten Gewebeschicht der Schleimhaut, hervorgerufen durch eine Hyperkeratose (verstärkte Verhornung der Haut).

Im Unterschied zu normaler Haut bestehen die Schleimhäute aus einem Plattenepithel, das nicht verhornt. Bei einer Leukoplakie kommt es folglich fälschlicherweise zu einer unerwünschten Veränderung der Beschaffenheit der Schleimhäute. Das Fehlverhalten ist durch verschiedene Reize bedingt.

Oftmals sind chemische oder physikalische Reizungen der Auslöser. Schlecht sitzende Prothesen oder ständige Reibungen durch Fehlstellungen der Zähne sind mögliche Gründe. Nikotin- und Alkoholkonsum sowie Kautabak üben ebenfalls Reize aus. Ursachen für Leukoplakie im Genitalbereich sind chronisch wiederkehrende Virusinfektionen.

Oberflächenbeschaffenheit der weißen, nicht abwischbaren Areale

Nach der Verhornung kommt es zu einer Quellung der betroffenen Zellen. Dadurch erhält die Leukoplakie ihre charakteristische weiße Farbe. Rein optisch ist zu differenzieren zwischen zwei unterschiedlichen Varianten: der homogenen sowie der inhomogenen Form. Die homogene Leukoplakie ist als eine einheitliche, weiße Fläche auf der Schleimhaut zu beobachten.

Die glatte Oberfläche zeugt von einer knorpelartigen Beschaffenheit. Die inhomogene Leukoplakie hat eine sich verändernde, unregelmäßige Oberfläche. Da die weißen Stellen der Krankheit in den meisten Fällen keinerlei Beschwerden verursachen, erfolgt deren Entdeckung oftmals zufällig – beispielsweise im Rahmen einer Zahnarztuntersuchung. Neben der schmerzfreien Leukoplakie existieren seltenere Formen, die brennen oder andere Schmerzen verursachen.

Leukoplakien gelten als Präkanzerosen:

Gefahr der Entartung zu einem bösartigen Tumor

Leukoplakie gehört zu den fakultativen Präkanzerosen. Eine Präkanzerose ist eine Veränderung des Gewebes, wodurch sich statisch gesehen die Gefahr einer bösartigen Entartung zu einem Tumor erhöht.

Die Medizin unterteilt in fakultative und obligate Präkanzerosen. Bei einer fakultativen Präkanzerose liegt das Risiko einer Entartung unter 30 Prozent. Zwischen Auftreten und Entarten vergeht eine Zeitspanne von über fünf Jahren. Dagegen ist das Risiko einer Entartung bei einer obligaten Präkanzerose auf über 30 Prozent in weniger als fünf Jahren beziffert. Aufgrund dieser Gefahr der Entwicklung eines Tumors ist das Auftreten weißer, nicht abwischbarer Stellen auf den Schleimhäuten zu behandeln.

Der Arzt muss hierbei von der Vorstufe eines bösartigen Tumors ausgehen, ehe das Gegenteil bewiesen ist. Die Diagnose der Erkrankung erfolgt zunächst durch Begutachten und Abtasten der betroffenen Stelle. Sicherheit – und Abgrenzung von anderen möglichen Krankheiten – liefert anschließend eine mikroskopische Untersuchung von Gewebeproben der Schleimhaut. Die Diagnostik sollte ein oralpathologisch spezialisierter Pathologe übernehmen.

Therapie: Beseitigung der Auslöser oder operative Entfernung

Die Behandlung der Leukoplakie ist abhängig davon, ob innerliche oder äußerliche Ursachen der Erkrankung vorhanden und zu erklären sind. Sofern das der Fall ist, muss der behandelnde Arzt den Auslöser beseitigen.

Danach heilt die Erkrankung innerhalb weniger Wochen von selbst. Bleibt die gewünschte Genesung aus, sind weitere Maßnahmen zur Behandlung erforderlich. Dasselbe gilt, wenn keine Gründe für die Leukoplakie ersichtlich sind. Es folgt die operative Entfernung der betroffenen Stelle. Diesbezüglich existieren unterschiedliche Möglichkeiten. Zum einen ist die Entfernung des leukoplakischen Schleimhautepithels durch Vereisung zu nennen. Ferner besteht die Option das Abtragen mittels eines ablativen Lasers oder durch Elektrokaustik. Letzteres ist eine operative Methode, bei der ein sogenannter Elektrokauter zum Einsatz kommt.

Anstelle einer mechanischen Durchtrennung des zu entfernenden Gewebes – wie bei einem Skalpell der Fall – setzt besagte Methode auf einen kurzen, dafür intensiven elektrischen Strom. Der Strom trennt das Gewebe oder bringt es zum Verdampfen. In der Heilungsphase der Wunde ist auf das Meiden der auslösenden Irritationen der Leukoplakie zu achten. Das gilt insbesondere für den Alkohol- und Nikotinkonsum, mangelhaft sitzende Prothesen sowie defekte Zähne.

Kontrollen nach erfolgter Behandlung erforderlich

Nach Abschluss der Behandlung – durch Selbstheilung oder operative Entfernung – der Leukoplakie sind regelmäßige Kontrollen notwendig. Es besteht die Gefahr der erneuten Ausbildung von Leukoplakien. Insbesondere Alkoholiker und Raucher gelten als Personengruppe mit erhöhtem Risiko.

Sofern aufgrund einer starken Ausdehnung der Leukoplakie keine Behandlung oder operative Entfernung möglich sein sollte, ist die betroffene Stelle in Abständen von ungefähr drei Monaten durch einen erfahrenen Arzt zu untersuchen. Lang anhaltende Leukoplakien erfordern zudem eine Biopsie. Der medizinische Fachausdruck bezeichnet die Entnahme und anschließende Untersuchung von Gewebe unter dem Mikroskop. Die regelmäßige Biopsie ist notwendig, um eine potenzielle Entartung der Stelle zu einem bösartigen Tumor rechtzeitig zu erkennen.

Mundhygiene zur Vorbeugung von Leukoplakien

Vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung des Ausbruchs von Leukoplakien sind regelmäßige Kontrollen durch den Arzt und eine gründliche Mundhygiene. Bei einem künstlichen Zahnersatz ist auf einen guten, passenden Sitz zu achten. Weitere bereits angeführte Reizfaktoren sind nach Möglichkeit ebenfalls zu meiden.

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