Mandelentzündung

Zu den zwanzig häufigsten Beratungsanlässen in allgemein-medizinischen Arztpraxen gehört unter anderem die Tonsillitis, besser bekannt unter dem Begriff Mandelentzündung.

Besagte Erkrankung äußert sich beim Patienten in Form von Halsschmerzen sowie Schluckbeschwerden und trifft vor allem Kinder sowie Jugendliche besonders häufig, da bei diesen die Mandeln eine wichtige Funktion bei der Bildung des Immunsystems übernehmen – prinzipiell ist eine Tonsillitis allerdings in jedem Alter möglich.scharlach verlauf

Die Mandeln befinden zwischen Mundhöhle und Schlund; dort haben sie die Aufgabe, Infekte abzuwehren. Bei einer Tonsillitis entzünden sich die Gaumenmandeln, wobei grundsätzlich unterschieden wird zwischen Erkrankungen, die durch Viren ausgelöst wurden sowie durch Bakterien bedingte Entzündungen. Übertragen wird eine Mandelentzündung über Tröpfcheninfektion, weshalb die Ansteckgefahr nach einer Infektion hoch ist.

Die häufige Erkrankung infolge einer Streptokokken-Infektion

Bakterielle Erreger oftmals Auslöser der Infektion
Die harmlosere Variante ist eine durch Viren ausgelöste Mandelentzündung; diese nach wenigen Tagen von alleine wieder verschwindende Erkrankung äußert sich durch Symptome, die mit einer Grippe vergleichbar sind.

Allerdings sind Bakterien die deutlich häufigeren Verursacher einer Mandelentzündung und somit der Grund für eitrige Mandeln. Typische Bakterienerreger einer Tonsillitis sind die beta-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Streptokokken gehören zu der Bakteriengesellschaft, die sich normal in und am Menschen ansiedelt, dabei allerdings auch (schwere) Erkrankungen verursachen kann.

Viele der Keime, welche für eine Infektion verantwortlich gemacht werden können, gehören eigentlich zur residenten Mundflora. Folgerichtig ist eine Erkrankung nur durch neue Serotypen – gegenüber denen noch keine Immunität besteht – möglich.

Begünstigt wird eine Infektion durch Streptokokken durch ein geschwächtes Immunsystem, beispielsweise infolge weiterer Erkrankungen. In der Regel heilt eine Mandelentzündung bei richtiger Behandlung folgenlos ab; sofern sich die Erkrankung jedoch über mehrere Monate zieht, wird von einer chronischen Mandelentzündung gesprochen. Die Gefahr einer chronischen Erkrankung besteht bei einer häufig wiederkehrenden Infektion oder nach dem Ausbleiben der notwendigen Behandlung bei einer akuten Entzündung.

Symptome – Diagnose der Mandelentzündung

Die Diagnose einer Mandelentzündung gestaltet sich schwierig, da die auftretenden Symptome oftmals mit denen einer schweren Erkältung oder einer leichteren Grippe übereinstimmen –

Besonders auffällige Beschwerden, die eindeutig zuordenbar wären, treten dagegen nicht auf. Zu den typischen Merkmalen einer Tonsillitis, die auf eine entsprechende Entzündung der Mandeln hindeuten, gehören die folgenden Symptome:

  • plötzliches Auftreten von Schluckbeschwerden,
  • plötzliche Halsschmerzen,
  • gerötete und geschwollene Gaumenmandeln,
  • leichtes Fieber,
  • Gefühl der Enge am Hals, das womöglich sogar die Atmung behindert,
  • Anschwellen der Lymphknoten am Hals; in Verbindung mit Schmerzen
  • Mundgeruch
  • Bei Kindern sind in manchen Fällen auch Bauchschmerzen sowie Erbrechen möglich.

Noch schwieriger wird die Diagnose einer chronischen Mandelentzündung, da hierbei in der Regel keine Schmerzen auftreten. Stattdessen sind nur manchmal leichtere Beschwerden beim Schlucken oder ein als unangenehm empfundener Geschmack im Mund möglich.

Eventuell kommt es darüber hinaus zu einer Schwellung der Lymphknoten am Hals. Vielmehr bewirkt eine chronische Erkrankung eher unspezifische Beschwerden, wozu beispielsweise eine reduzierte Konzentrations- sowie Leistungsfähigkeit gehören können.

Krankheitsverlauf abhängig vom Erreger

Der Verlauf einer Mandelentzündung ist abhängig vom Infektionsgrund. Ist die Infektion auf Viren zurückzuführen, so klingt die Entzündung bereits innerhalb von einem bis drei Tagen wieder ab.

Eine bakteriell bedingte Mandelentzündung hingegen kann bis zur vollständigen Heilung ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen, wobei eine Behandlung mit Antibiotika vonnöten ist. Die Inkubationszeit einer Mandelentzündung beträgt ein bis drei Tage. Wird eine akute Streptokokken-Tonsillitis mit Antibiotika behandelt, ist bereits 24 Stunden nach Beginn der Behandlung die Ansteckgefahr gebannt.

Behandlung einer Mandelentzündung – bei Bakterien mit Antibiotikum
Nach Auftreten der genannten Symptome und der anschließenden Diagnose der akuten bakteriellen Mandelentzündung ( beispielsweise durch Streptokokken ) seitens des behandelnden Arztes wird die Erkrankung vor allem mit Antibiotikum behandelt.

Sofern die Diagnose nicht eindeutig möglich ist, dienen ein bakterieller Abstrich sowie eine Untersuchung des Blutbildes als Unterstützung bei der Entscheidungsfindung. Das verabreichte Antibiotikum tötet die krankheitserregenden Bakterien ab und verhindert auf diese Weise eine weitere Ausbreitung der entsprechenden Keime im Körper.

Die Dauer der Einnahme ist abhängig vom verschriebenen Medikament, in der Regel ist jedoch mit einer Zeitspanne von sieben bis zehn Tagen zu rechnen. Alternativ ist bei einer noch nicht akuten Mandelentzündung – deren Symptome sich im Anfangsstadium befinden – die Selbstbehandlung möglich. Dabei kann unter anderem auf abschwellende und entzündungshemmende Medikamente zurückgegriffen werden, ferner ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszunahme zu achten.

Mandelentzündung und Fieber

Bei Fieber lassen sich die Beschwerden darüber hinaus durch fiebersenkende Medikamente lindern. Sofern nach zwei Tagen keine Besserung eintritt, sollte der Patient sich unverzüglich in die Behandlung eines Arztes begeben. In Verbindung mit anderweitigen Krankheiten oder auch bei Herzschwäche ist es allerdings empfehlenswert, den Arzt sofort nach dem Auftreten der Beschwerden aufzusuchen; dasselbe gilt für Mandelentzündungen bei Kindern.

Operative Entfernung der Mandeln

Die Mandeln übernehmen im Körper eine wichtige Schutzfunktion – dennoch ist gerade bei Kindern der zweithäufigste Eingriff die operative Entfernung dieser „Schutzeinrichtung“. Für die Entfernung der Mandeln gibt es unterschiedliche Gründe, beispielsweise, wenn diese bei Kindern im Vorschulalter derart stark anschwellen, dass diese beim Atmen behindern. Ferner wird bei einer chronischen Mandelentzündung – insbesondere nach mehreren erfolglosen Antibiotika-Behandlungen – ein entsprechender Eingriff empfohlen.

Darüber hinaus sollte auch bei einer besonders starken Mandelentzündung, infolgedessen sich sichtbare eitrige Abszesse an den Mandeln gebildet haben, über die operative Entfernung nachgedacht werden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden.

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