Verwechslung: Scharlach und die Hand-Mund-Fuß-Krankheit

Kinderkrankheiten erkennen: Scharlach und die Hand-Mund-Fuß-Krankheit

Sowohl Scharlach als auch die Hand-Mund-Fuß-Krankheit zählen zu den Infektionen, die vor allem im Kindesalter auftreten. Für Eltern ist es daher wichtig, die Symptome beider Krankheiten zu erkennen und rechtzeitig zum Arzt zu gehen. Zweifeln Sie, ob Ihr Nachwuchs an Scharlach oder der Hand-Mund-Fuß-Krankheit leidet, hilft ein Blick auf die häufigen Beschwerden. Prinzipiell gilt aber: lieber zu früh zum Kinderarzt gehen.

Ist es Scharlach oder die Hand-Mund-Fuß-Krankheit? Copyright: SeventyFour, bigstockphoto

 

Sind Scharlach und die Hand-Mund-Fuß-Krankheit klar unterscheidbar?

Rein aus medizinischer Sicht lassen sich beide Infektionen glasklar voneinander trennen, denn Scharlach wird von Bakterien und die Hand-Mund-Fuß-Krankheit von Viren ausgelöst. Dieses Wissen nutzt Eltern jedoch nichts, denn Zuhause können Sie keinen zuverlässigen Test auf die Erreger durchführen. Sie müssen sich daher auf sichtbare und geäußerte Beschwerden Ihres Kindes verlassen.

Der Grund, weshalb viele Eltern zurecht zweifeln, welche der beiden Infektionskrankheiten vorliegt, ist das Auftreten teils ähnlicher Symptome. Dazu zählen:

  •  Fieber
  •  Halsschmerzen
  •  Kopfschmerzen
  •  Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  •  Appetitlosigkeit

Diese Beschwerden treten bei beiden Infektionen auf, da der Körper sich gegen die Eindringlinge wehrt. Vor allem das Fieber ist ein Indikator für ein aktiviertes Immunsystem. Da bei Scharlach und der Hand-Mund-Fuß-Krankheit die Erreger (unter anderem) im Mundraum siedeln, kommt es zudem zu Halsschmerzen und entsprechender Appetitlosigkeit. Ihr Kind möchte nicht essen, da das Schlucken schmerzhaft ist.

Um trotz überlappender Symptomatik die Krankheiten besser voneinander unterscheiden zu können, ist der Blick ins Detail gefragt.

Ist es Scharlach oder die Hand-Mund-Fuß-Krankheit? Copyright: SeventyFour, bigstockphoto

 

Was zeichnet Scharlach im Besonderen aus?

Das deutlichste Anzeichen einer ausgebrochenen Scharlach-Infektion ist plötzliches Fieber. Die Körpertemperatur steigt nicht allmählich über viele Stunden oder gar Tage, sondern überschreitet überraschend die 38°C-Marke. Als Eltern werden Sie daher verwundert sein, wenn Ihr Kind am Nachmittag noch fröhlich gespielt hat und in der Nacht plötzlich fiebrig wird.

Ebenso schlagartig wie das Fieber treten die Halsschmerzen auf. Ihr Kind wird sowohl beim Essen und Trinken als auch im ganz normalen Alltag über starke Schluckbeschwerden klagen. Ein kurzer Blick in den Hals zeigt meist eine starke Rötung und Schwellung. Am auffälligsten dabei ist die Zunge: sie ist nicht wie gewöhnlich eher rosa (mit einem zarten Belag), sondern komplett zunächst mit einem dichten, weißen Belag überzogen. Ungefähr nach 38 Stunden färbt sie sich komplett Rot. Die Oberfläche erinnert an Him- oder Erdbeeren, weshalb das Symptom auch Himbeerzunge/Erdbeerzunge genannt wird.

Die auffallende Veränderung der Zunge geht meist mit einem Ausschlag auf dem Körper einher. Die Oberfläche der Haut wirkt rauer und zeigt kleine Flecken. Am stärksten prägen diese sich im Leistenbereich aus. Ein klares Anzeichen für Scharlach: die Partie zwischen Mund und Kinn zeigt KEINEN Ausschlag, sondern ist auffallend blass.

Zur Orientierung: Scharlach ist eine häufige Kinderkrankheit bei Jungen und Mädchen unter zehn Jahren. Über 3.000 Fälle werden jedes Jahr in Deutschland gemeldet. Eine gesetzliche Meldepflicht gibt es nicht.

 

Was genau versteht man unter der Hand-Mund-Fuß-Krankheit?

Diese Infektion tritt ebenfalls vermehrt bei Kindern unter zehn Jahren auf und betrifft vor allem die Extremitäten und den Mundraum. Daraus wurde der Name abgeleitet. Viren sind in den Körper eingedrungen verursachen kleine Entzündungen inklusive Blasenbildung in Händen, Füßen und dem Mundraum.

Nach der Ansteckung kommt es zu Fieber, das anders als bei Scharlach langsamer ansteigt. Bei manchen Kindern bleibt sogar ein Anstieg der Körpertemperatur komplett aus.

Rund 48 Stunden nach dem ersten Fieber werden die Bläschen sichtbar. Sie sind sehr klein und erinnern eher an Flecken. Meist halten sich auch die spürbaren Hautbeschwerden in Grenzen: die Bläschen jucken nicht und sind auch bei Berührung wenig schmerzhaft. Anders verhält es sich mit denen im Mundraum. Betroffene Kinder klagen über starke Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und die Zunge schmerzt beim Berühren von Wange, Zahnfleisch und Zähnen. Es tritt aber keine Himbeerzunge auf.

Ebenfalls anders als bei Scharlach: der Ausschlag bleibt auf Hände, Füße und Mundraum beschränkt. Sie werden also kein scharlach-typisches blasses Dreieck zwischen dem Mund und der Kinnregion Ihres Kindes sehen. Auch die Leistenregion, die bei Scharlach sehr stark vom Ausschlag betroffen ist, zeigt keine Besonderheiten bei der Hand-Mund-Fuß-Krankheit.

Zur Orientierung: Auch die Hand-Mund-Fuß-Krankheit ist bei Kindern weit verbreitet, es besteht aber keine Meldepflicht in Deutschland. Da viele Infektionen auch komplett symptomfrei verlaufen, ist die Zahl der Erkrankungen pro Jahr unklar.

 

Der Arzt bringt eindeutige Diagnose

Beobachten Sie bei Ihrem Kind eines der klassischen Symptome, sollte immer der Kinderarzt aufgesucht werden. Da sowohl Scharlach als auch die Hand-Mund-Fuß-Krankheit ansteckend sind, ist die Diagnose auch für Kita und Schule wichtig: sofortiges Fernbleiben soll verhindern, das andere Kinder angesteckt werden.

Der Kinderarzt wird Ihren Sohn oder Ihre Tochter auf die Symptome hin untersuchen und Sie nach allen Auffälligkeiten befragen. Entsteht der Verdacht auf Scharlach, wird meist ein Abstrich aus dem Rachen gewonnen und im Labor auf die Bakterien hin untersucht. Der Schnelltest kann die sogenannten A-Streptokokken identifizieren. Nur in seltenen Fällen ist zusätzlich ein Blutbild notwendig.

Da die sichtbaren Symptome der Hand-Fuß-Mund-Krankheit sehr eindeutig sind, genügt meist eine gründliche Untersuchungen Ihres Kindes. Selten ist ein Abstrich im Rachen, oder die Untersuchung von Blut und/oder Stuhl angebracht.

 

Welche Therapien sind bei Scharlach und der Hand-Mund-Fuß-Krankheit notwendig?

Für Sie als Eltern wichtig und beruhigend: beide Infektionen verlaufen im Regelfall ohne Komplikationen und ohne Spätfolgen.

Da es sich bei Scharlach um eine Bakterieninfektion handelt, sind Antibiotika das erste Mittel der Wahl. Durch die Medikamente klingen die Hauptbeschwerden meist binnen 48 Stunden ab. Ohne die Schulmedizin kann sich der Verlauf über bis zu drei Wochen ziehen.

Die Hand-Mund-Fuß-Krankheit wird von Viren verursacht, weshalb Antibiotika nicht helfen. Tatsächlich bedarf es für eine Therapie nur viel Ruhe und maximal Schmerzmittel für die Rachenbeschwerden. Die Infektion heilt binnen weniger Tage ab.

 

About author

Anna Nilsson

Anna Nilsson ist Fach- und Medizinautorin und verantwortlich für die Inhalte des Scharlach-Ratgebers.